Wildtier-Steckbrief: Der Braunbrustigel
Im Mittelalter glaubten die Menschen fälschlicherweise, dass Igel nachts heimlich Kuhställe betreten, um Milch aus den Eutern der Kühe zu saugen. Dieser Mythos hält sich bis heute hartnäckig, dabei vertragen Igel überhaupt keine Milch und können daran sterben!
Auf einen Blick
- Größe: 22 bis 30 cm Körperlänge
- Beobachtungszeit: Aktiv von ca. April bis November (Dämmerungs- und nachtaktiv)
- Vorkommen: In naturnahen Gärten, Parks, Hecken und Waldrändern
🔍 Aussehen
Igel haben einen gedrungenen Körper und sind vor allem für ihr charakteristisches Stachelkleid bekannt. Ein ausgewachsener Igel trägt zwischen 6.000 und 8.000 Stachel, die braun-weiß gebändert sind. Der Bauch, der Kopf und die Beine sind weich und mit bräunlichem Fell bedeckt. Bei Gefahr können sie sich dank eines speziellen Ringmuskels zu einer fast perfekten, stachligen Kugel zusammenrollen.
🦉 Verhalten
Der Igel ist ein absoluter Einzelgänger und strikt nachtaktiv. Tagsüber verschläft er die Zeit in gut versteckten Laub- oder Reisighaufen. Er hat einen extrem feinen Geruchssinn und ein hervorragendes Gehör, sieht dafür aber eher schlecht. Wenn ein Igel einen neuen, intensiven Geruch wahrnimmt, zeigt er ein faszinierendes Verhalten: Er produziert schaumigen Speichel und verstreicht diesen mit der Zunge auf seinem Rücken (das sogenannte „Einspeicheln“).
🏡 Lebensraum
Ursprünglich in abwechslungsreichen Kulturlandschaften zu Hause, ist der Igel heute ein klassischer Kulturfolger. Er zieht sich immer mehr in menschliche Siedlungsräume zurück. Er fühlt sich überall dort wohl, wo er dichte Hecken, Unterholz, wilde Ecken mit Laub und unversiegelte Böden findet. Sterile Schottergärten oder engmaschige Zäune ohne Bodendurchlass machen ihm das Leben dagegen schwer.
⚠️ Gefährdung
Obwohl der Igel zu den bekanntesten Wildtieren gehört, steht er in Deutschland mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten. Die Hauptgründe sind der dramatische Rückgang von Insekten durch Pestizide, der Verlust von Unterschlüpfen in aufgeräumten Gärten sowie Gefahren durch den Straßenverkehr, Mähroboter und Gifte (wie Schneckenkorn).
❄️ Winterschlaf-Verhalten
Der Igel ist kein Standtier, das das ganze Jahr aktiv ist. Sobald die Temperaturen dauerhaft unter etwa 5 Grad sinken (meist ab November), zieht er sich in ein frostsicheres Winternest zurück. Während des Winterschlafs senkt er seine Körpertemperatur von 36 °C auf bis zu 5 °C ab und schlägt nur noch wenige Male pro Minute mit dem Herzen, um Energie zu sparen. Im Frühjahr (ca. April) wacht er stark abgemagert wieder auf.
🐛 Nahrung
Igel sind reine Fleisch- und Insektenfresser (keine Vegetarier!). Ihr natürlicher Speiseplan besteht aus Laufkäfern, Larven, Ohrwürmern, Regenwürmern und Hundertfüßern. Schnecken und Eier fressen sie meist nur im Notfall, da diese oft Parasiten übertragen. Da unsere Gärten immer steriler werden, leiden Igel unter akutem Nahrungsmangel – besonders im Herbst vor dem Winterschlaf und im Frühjahr nach dem Aufwachen sind sie auf eine artgerechte Zufütterung (wie hochwertige, getrocknete Mehlwürmer) angewiesen.
🔊 Stimme
Igel können erstaunlich laut sein! Wenn sie nachts im Gebüsch nach Nahrung suchen, hört man ein lautes Schnaufen, Rascheln und Keuchen. Bei Paarungskämpfen im Sommer geben sie ein lautes Fauchen oder zischende Geräusche von sich. Sind sie in großer Not oder verletzt, können sie sogar herzzerreißend schreien.